Warum die Gründer und Eigentümer von NTS, Alexander Albler und Hermann Koller, mit ihrer ursprünglichen Geschäftsidee baden gegangen wären und was sie über das Firmenjubiläum im Jahr 2020 denken.

Sie haben das Unternehmen 1995 gemeinsam gegründet – war das so ein klassisches Garagen-Start-up?

Hermann Koller: Garage war es keine, aber ein Abstellkammerl. Wir haben uns am Wifi kennengelernt. Ich war dort Trainer für Windows-Anwendungen.
Alexander Albler: … und ich habe dort als IT-Betreuer das Internet eingeführt. Unser ursprünglicher Plan war es, ein Internetcafé zu eröffnen. Dann waren uns die Auflagen der Gastro-Behörden zu groß und zu teuer – also haben wir halt auf Netzwerktechnik umgesattelt.

 

Gestern hat jemand über eine Facebook-Gruppe ziemlich verzweifelt nach einem Internetcafé in Graz gesucht …

AA: Ich darf gar nicht daran denken, wo wir heute wären, wenn wir damals diesen Weg gegangen wären.
HK: In Zeiten des mobilen Breitbands gibt’s den Bedarf wohl nicht mehr … Aber darüber haben wir nicht nachgedacht. Wir wollten ohne große Investitionen starten können. Wir haben also einfach als Dienstleister unser Know-how verkauft.

 

Klingt easy …

AA: Ja, war es irgendwie auch. Natürlich haben wir viel gearbeitet, aber so einfach wie damals ginge die Gründung jetzt nicht mehr. Heutzutage muss man schon viel Geld in die Hand nehmen, um so eine Firma auf die Beine zu stellen. Wir hatten damals nicht einmal einen Businessplan!

EIN TEIL DES EINKOMMENS DER FÜHRUNGSKRÄFTE HÄNGT VON DER
ZUFRIEDENHEIT DER MITARBEITERINNEN AB.

Wie schauen die Stolpersteine von heute aus?

HK: Jetzt ist es die viel größere Herausforderung, gute MitarbeiterInnen zu finden.
AA: In unserer Branche herrscht hoher Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Wer gut ist, kann sich in Österreich aus fünf und weltweit wahrscheinlich aus gut hundert Jobs den für ihn besten aussuchen.

 

Wie kommen Sie also zum Nachwuchs bei NTS?

AA: Wir kooperieren mit Universitäten und Fachhochschulen, bieten den Studierenden Praktika an und die Möglichkeit, ihre Diplomarbeit bei uns zu machen oder Projekte durchzuführen. Wir wollen Menschen mit unserer Arbeit in Verbindung bringen, sie interessieren, zu uns holen – und auch halten.
HK: Dazu haben wir ein Employer Excellence Program eingeführt: Ein Teil des Einkommens der Führungskräfte hängt von der Zufriedenheit des Teams ab. Für außerordentliche Leistungen gibt es Auszeichnungen und Reisen, zu denen auch die Familien eingeladen sind.

„RELAX, WE CARE“, fordern Sie die NTS-Kunden auf. Funktioniert das über 25 Jahre?

HK: Aus meiner Sicht funktioniert das sehr gut. Vielleicht nicht gleich, aber spätestens dann, wenn sie unser Unternehmen und unsere MitarbeiterInnen einmal kennengelernt und gemerkt haben, dass sie sich auf uns verlassen können. Dieses Vertrauen ist wichtig, denn wir arbeiten ja mit den wichtigsten Daten unserer Kunden.
AA: Ich meine, dass es uns gelingt, diesem Vertrauen gerecht zu werden. Unsere Kunden wirken jedenfalls meistens sehr relaxt. Uns ist es natürlich ein Anliegen, diesem Anspruch auch in Zukunft mehr als gerecht zu werden.

Ich bin stolz, dass wir trotz der Krise ein Wachstum verzeichnen konnten.

NTS feiert 2020 stolze und erfolgreiche 25 Jahre Firmengeschichte. Wie schaut so ein Jubiläum während einer Pandemie aus?

AA: Arbeitsam. Die Pandemie hat uns kurzfristig mehr Arbeit beschert. Natürlich ist es schade, dass wir mit unseren Kunden, Partnern und MitarbeiterInnen das 25-Jahr-Jubiläum nicht wie geplant feiern konnten … aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
HK: Auch in dieser Phase hat sich gezeigt, dass wir für die Zukunft gerüstet sind. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch baulich. Aufgrund unseres Wachstums wird die Zentrale in Raaba-Grambach vergrößert bzw. ein NTS Neubau errichtet. Trotz Lockdown haben die Bauarbeiten planmäßig begonnen und wir sind sehr zuversichtlich, dass sie bis Ende 2020, also noch im 25. Unternehmensjahr, abgeschlossen werden.

 

Was waren Ihre beruflichen bzw. persönlichen Highlights im Jahr 2020?

AA: Ich habe gemeinsam mit Hermann Koller 1995 NTS gegründet. Daher hatten wir dieses Jahr unser 25-jähriges Jubiläum und freuen uns schon, wenn wir die große Feier anlässlich „Ein Vierteljahrhundert NTS“ nachholen können. Aufgrund des stetigen Wachstums, haben wir auch unsere Management-Struktur 2020 angepasst. Eine Änderung der Organisationsstruktur alleine reicht nicht aus. Es ist wichtig, auch ein Verständnis der Wechselwirkungen zu haben. Zu guter Letzt geht es auch um die Strategie dahinter und das Verständnis dafür. Es ist uns immens wichtig, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen diese verstehen und mittragen. Nur so können wir gemeinsam stark sein. Ich bin stolz, dass wir nicht nur trotz der Krise ein Wachstum verzeichnen konnten, sondern auch dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die ungewöhnliche Situation so sensationell gemeistert haben.

 

Meldungen, Ereignisse und Maßnahmen rund um die Coronakrise haben sich überschlagen. Die Konsequenzen – gesundheitliche, gesellschaftliche oder wirtschaftliche – können noch nicht völlig erfasst werden. Wie beurteilen Sie die Wichtigkeit der IT in dieser Ausnahmezeit?

AA: Ich denke, die Wichtigkeit der IT bzw. der Digitalisierung ist uns allen in dieser speziellen Zeit extrem bewusst geworden. Ohne die notwendige Infrastruktur im Netzwerk, ohne professionelle Videokonferenzlösungen und ohne die entsprechenden redundanten Rechenzentren wäre die Wirtschaft komplett zum Erliegen gekommen.
HK: Aber auch im privaten Bereich hat die Rolle der IT an Wichtigkeit gewonnen. Ich denke, dass fast jeder von uns mit Freunden und Familie über Video kommuniziert hat. Es wird interessant sein, zu sehen, wie die IT bzw. die Digitalisierung in 1 bis 2 Jahren in der Gesellschaft und in den Unternehmen angenommen wird. Wir beurteilen diese Entwicklung natürlich positiv und sind zum Wohle unserer Kunden für die Zukunft gerüstet.

 

Welche Themen sollten Ihrer Meinung nach im kommenden Jahr auf der Agenda von IT-Managern ganz oben stehen und warum bzw. welche IT-Themen werden 2021 eine besonders wichtige Rolle spielen?

AA: Ein Thema, das auch durch die Coronakrise und die starke Verlagerung ins Home Office noch mehr in den Mittelpunkt gerückt ist, ist die Cybersecurity. Denn Home Office kann mehr Angriffsfläche bieten und Hackern den Eintritt ins Firmennetzwerk erleichtern. Zudem wird die individuelle Anpassung von IT-Lösungen immer wichtiger – diese müssen perfekt auf den Kunden, dessen Ziele und Wünsche angepasst werden und flexibel gestaltet sein.

  • NAME: Hermann Koller
  • GEBOREN: 04.09.1965
  • WOHNORT: Wien
  • POSITION: Gründer und Eigentümer
  • AUSBILDUNG: Dipl.-Ing. für Technische Physik
    an der TU Graz, MBA Controlling und Finance
    an der WU Wien
  • NAME: Alexander Albler
  • GEBOREN: 08.02.1976
  • WOHNORT: Graz
  • POSITION: Gründer, Eigentümer und CEO
  • AUSBILDUNG: Executive MBA General Management
    an der Universität St. Gallen, Cisco Certified
    Internetworking Expert CCIE #11113 Emeritus,
    diverse weitere CISCO-Zertifizierungen
Michael Samec, Daniela Haag / NTS, photoworkers.at