Warum die NTS-Vorstände Hermann Koller und Alexander Albler mit ihrer ursprünglichen Geschäftsidee baden gegangen wären – und sie eigentlich öfter zugleich Urlaub machen sollten.

„RELAX, WE CARE“, fordern Sie die NTS-Kunden auf. Halten die sich daran?

Hermann Koller: Ich denke schon – vielleicht nicht von Anfang an, aber wenn sie unser Unternehmen einmal kennen und dann gemerkt haben, dass sie sich auf uns verlassen können…

Alexander Albler: Sie wirken jedenfalls meistens sehr relaxed.

 

Und Sie selbst? Wann haben Sie das letzte Mal relaxed?

AA: Ich war erst unlängst in Asien. Das war richtiger Urlaub.

HK: Naja, der Zeitpunkt für diese Frage ist bei mir vielleicht etwas ungünstig – ich komme gerade aus den USA, wo wir ja unsere nächste Geschäftsstelle eröffnen werden. Aber mir reicht es, wenn ich zwischendurch ein paar Tage abschalten kann, ich muss nicht drei Wochen abtauchen.

 

Wer übernimmt inzwischen das „CAREN“?

HK: Unsere MitarbeiterInnen. Die haben alles im Griff und bekommen das auch ohne unser Zutun bestens hin.

AA: Und wie! Im Vorjahr waren wir beide zugleich auf Urlaub – und es hat sich gezeigt, dass genau das die Woche mit den meisten Auftragseingängen war. Man darf sich also selbst nicht so wichtig nehmen! Vielleicht sollten wir also öfter…

WIR BIETEN UNSEREN MITARBEITER/-INNEN AUSLANDSSEMESTER IN KALIFORNIEN.

Sie haben das Unternehmen 1995 gemeinsam gegründet – war das so ein klassisches Garagen-Startup?

HK: Garage war es keine, aber ein Abstellkammerl. Wir haben uns auf der Wifi kennengelernt. Ich war dort Trainer für Windows-Anwendungen…

AA: …und ich habe dort als IT-Betreuer das Internet eingeführt. Unser ursprünglicher Plan war es, ein Internet-Kaffee zu eröffnen. Dann waren uns die Auflagen der Gastro-Behörden zu teuer – also haben wir halt auf Netzwerktechnik umgesattelt.

 

Gestern hat jemand über eine Facebook-Gruppe ziemlich verzweifelt ein Internet-Kaffee in Graz gesucht..

AA: Ich darf gar nicht daran denken, wo wir heute wären, wenn wir damals diesen Weg gegangen wären.

HK: In Zeiten des mobilen Breitbands gibt’s den Bedarf wohl nicht mehr… Aber darüber haben wir nicht nachgedacht. Wir wollten ohne große Investitionen starten können. Wir haben also einfach als Dienstleister unser Know-how verkauft.

 

Klingt easy…

AA: Ja, war es irgendwie auch. Natürlich haben wir viel gearbeitet, aber so einfach wie damals ginge die Gründung jetzt nicht mehr. Heutzutage muss man schon viel Geld in die Hand nehmen, um so eine Firma auf die Beine zu stellen. Wir hatten damals nicht einmal einen Businessplan!

HK: Und auch keine Existenzängste. Die kamen erst 1998 als wir den ersten Vollzeitmitarbeiter aufgenommen haben. Da wurde mir erst bewusst, wie viel Verantwortung für einen Menschen man damit übernimmt.

WER NTS KENNT, WEISS, DASS ER SICH AUF UNS VERLASSEN KANN.

Jetzt haben Sie das 240-fach?

HK: Nein, beim zweiten Mitarbeiter überrascht einen das ja nicht mehr. Jetzt ist es die größere Herausforderung weitere gute Mitarbeiter zu finden.

AA: In unserer Branche herrscht hoher Bedarf an qualifizierten MitarbeiterInnen. Wer gut ist, kann sich in Österreich aus fünf und weltweit wahrscheinlich aus rund 100 Jobs den besten für sich aussuchen.

 

Wie kommen Sie also zum Nachwuchs?

AA: Wir kooperieren mit Universitäten und Fachhochschulen. Bieten StudentInnen Praktika an und die Möglichkeit ihre Diplomarbeit bei uns zu machen oder Projekte durchzuführen. Wir wollen Menschen mit unserer Arbeit in Verbindung bringen, sie interessieren, zu uns holen – und auch halten.

 

Wie gelingt das?

HK: Wir achten sehr auf die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen. Derzeit sagen 85 Prozent, sie sind sehr zufrieden. Wir wollen aber auf 90 Prozent.

AA: Dafür führen wir ein „Excellence Program“ ein: Ein Teil des Gehalts der Führungskräfte hängt von der Zufriedenheit der MitarbeiterInnen ab, für außerordentliche Leistungen gibt es Auszeichnungen und Reisen, zu denen auch die Familien eingeladen sind.  Und wir bieten die Möglichkeit, ein Auslandssemester an unserem neuen Standort in Kalifornien zu machen.

 

Dieser erste Mitarbeiter, den sie aufgenommen haben – ist der noch im Unternehmen?

HK: Er war der erste Vollzeit-Mitarbeiter. Ich unterscheide das deswegen, weil wir davor schon eine Teilzeit-Mitarbeiterin hatten. Und ja, beide arbeiten noch immer für uns.

AA: Wird Zeit, dass wir sie feiern!

Michael Samec / NTS, photoworkers.at