„Mädchen sind genauso neugierig wie Jungs“

Evelyn Riha, Distinguished Senior Systems Engineer bei NTS Innsbruck im Interview

Evelyn Riha hat sich noch nie in traditionellen Geschlechterrollen wiedergefunden. Egal ob zu Schulzeiten als erstes Mädchen in der Jungenwerkgruppe oder später als eine der wenigen Frauen, die die Lehrabschlussprüfung für EDV-Techniker:in abschlossen – damals noch ohne Gender-Zeichen. Bei einem Interview erzählt die Tirolerin, die heute als Distinguished Senior Systems Engineer bei NTS am Standort Innsbruck tätig ist, wie sie sich als Frau in dieser Männerdomäne zurechtfindet und wie man ihrer Meinung nach junge Frauen für die Branche begeistern kann.

NTS: Wie bist du zur IT gekommen?

Evelyn Riha: Ich habe mich eigentlich schon immer für Computer interessiert. Vor Kurzem hat mir eine ehemalige Schulkollegin gezeigt, dass ich damals schon in ihr Freundschaftsbuch geschrieben habe, dass ich IT-Technikerin werden möchte. Da war ich 13. An der IT fand ich schon immer cool, dass es klare Problemstellungen gibt, die man wie Rätsel lösen kann. Natürlich war ich anfangs etwas skeptisch, denn schon in der Schule wurde uns IT als Männerberuf vorgestellt. Man trifft leider immer noch wenige Frauen in der Technik, auch wenn es heute schon mehr sind als damals. Aber meine ursprünglichen Bedenken, als Frau nicht ernst genommen zu werden oder dass meine Expertise deshalb in Frage gestellt wird, hat sich eigentlich nie bestätigt.

NTS: Was möchtest du jungen Frauen mitgeben, die vorhaben, in die IT zu gehen?

Evelyn: Ich würde sie auf jeden Fall bestärken. Die IT-Branche ist so vielseitig. Leute unterschätzen, wie wichtig die soziale Komponente in diesem Beruf ist. Man sitzt nicht nur hinter dem PC, man hat auch viel mit Menschen zu tun, man kann Projekte planen und managen, es gibt Aufgaben, die eher einfacher sind und es gibt Aufgaben, die komplex sind. Und die Branche ist viel flexibler als man glaubt, da man sich seine Zeit sehr gut einteilen kann und man ist zum größten Teil ortsungebunden. Das lässt sich sehr gut mit der Familie vereinen. Also mein Tipp an alle Mädchen, die sich fragen, wie sie das ganze angehen sollen: Macht Herstellerschulungen, da lernt man viel, geht zu allen möglichen Treffen und Konferenzen, vernetzt euch mit Leuten in der Branche und tauscht euch aus. Und am aller wichtigsten: Seid mutig, traut euch was und habt Mut zur Lücke, denn man kann nicht immer alles wissen.

„Seid mutig, traut euch was und habt Mut zur Lücke, denn man kann nicht immer alles wissen.“

Evelyn Riha

Distinguished Senior Systems Engineer, NTS Innsbruck

NTS: Was muss getan werden, damit sich mehr Frauen für einen Beruf in der IT entscheiden?

Evelyn: Das beginnt eigentlich schon in der Erziehung, wenn man Mädchen eher mit Puppen spielen lasst als mit Lego und zieht sich dann durch bis in die Schule bei der Berufsorientierung. Das ist meiner Meinung nach immer noch sehr traditionell ausgelegt. Zu mir hat man damals gesagt: „Du bist ja eine Frau, da hast du sicher eine soziale Ader, du solltest zum Beispiel in den Pflegebereich gehen.“ Andere Vorschläge waren Floristin und Friseurin. Aber das hat mich alles nie so interessiert. Mädchen sind genauso neugierig wie Jungs, auch wenn es um Technisches geht. Das muss in der Schule und in der Ausbildung einfach besser kommuniziert werden. Man muss Mädchen die Angst vor diesem Unbekannten nehmen. Die IT ist in Wahrheit nicht so erschreckend, wie viele glauben. Man muss zum Beispiel nicht in jedem Bereich programmieren können. Und das Klischee, dass man gut in Mathe sein muss, stimmt auch nicht. Ich bin selbst nicht so gut in Mathe und habe keine Probleme. Leider kommen Mädchen oft gar nicht auf die Idee, in den IT-Bereich zu gehen. Man muss ihnen die Möglichkeit geben, einen Einblick in das Feld zu bekommen, man muss die Thematik aufmachen und erklären was wirklich relevant ist. Und das Geschlecht ist da ganz sicher nicht relevant.

NTS: Inwiefern profitieren IT-Unternehmen von einem höheren Frauenanteil?

Evelyn: Ich glaube, Frauen haben andere Ansätze Herausforderungen anzugehen und Probleme zu lösen und bieten andere Perspektiven. Die Branche wird einfach vielfältiger, genauso wie die Produkte, die daraus resultieren. Je mehr unterschiedliche Ansichten es gibt, desto robuster werden Lösungen. Man kann im Endeffekt mehr aus der Technik machen und einfach mehr rausholen aus dem Ganzen.

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